„Der Landkreis muss sich besser vorbereiten“

Helmstedt. In den vergangenen Monaten ist es ruhig gewesen wenn es um das Thema Flüchtlinge geht. Fast in Vergessenheit geraten sind die Probleme der Städte und Gemeinden aus dem vergangenen Jahr, als immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen und untergebracht werden mussten. Doch das öffentliche Bewusstsein hat sich wieder gewandelt, da die Terroranschläge in Frankreich jetzt auch Deutschland erreicht haben.

Im Sommer 2014 gab es erste Anzeichen einer kommenden Flüchtlingswelle nach Deutschland. Daher richteten im Herbst 2014 die Sicherheitsbehörden eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe der Polizei ein, um eine Folgenabschätzung vorzunehmen. Mit in dieser Gruppe vertreten ist der Helmstedter Gerhard Radeck, beruflich Leiter des Polizeikommissariats Helmstedt.

„Bereits im März 2015 haben wir auf eine bevorstehende Völkerwanderung hingewiesen und entsprechende Vorbereitungen vorgeschlagen“, erinnert sich Radeck. Und tatsächlich: im Spätsommer 2015 beginnt die Flüchtlingswelle!

Tausende von Menschen müssen in kürzester Zeit versorgt und untergebracht werden. Die Landesaufnahmebehörden laufen voll, die Kommunen ächzen unter den kurzfristigen Zuweisungen. Manches Mal ist der Bus mit den notleidenden Menschen schneller da, als der Anruf von der zentralen Aufnahmestelle.

„Eine wohltuende Willkommenskultur und eine bis dahin unerreichte Hilfsbereitschaft erfüllte das Land. Vielen hilfsbereiten Menschen ist es zu verdanken, dass alle Flüchtlinge versorgt werden konnten“, meint Gerhard Radeck.

„Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Polizei haben rechtzeitig darauf hingewiesen, dass die überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen entlastet und die Kommunen Flüchtlinge in Amtshilfe übernehmen werden müssen.“

Dennoch traf den Landkreis Helmstedt die Situation, innerhalb von zwei Tagen 100 Flüchtlinge im Zuge der Amtshilfe aufzunehmen, unvorbereitet. Das Ergebnis war das „Chaos von Esbeck“. „Unklare Strukturen, unzureichende Information der Bevölkerung und ein Abtauchen der eigentlich verantwortlichen Personen. Es war ein Glückfall, dass Feuerwehr und DRK das Ruder in die Hand genommen haben!“

In einer Nacht- und Nebelaktion wurde im wahrsten Sinne des Wortes die ehemalige Schule in Esbeck zur Notaufnahme hergerichtet. Nur mit Mühe und Durchhaltevermögen der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer gelang es, die Lage in den Griff zu bekommen. Viel zu spät wurden dann die Esbecker Bürgerinnen und Bürger vom Landkreis informiert.

Nach Esbeck folgte Büddenstedt, auch wieder mit erheblichen Problemen zwischen der vertraglich verpflichteten Hilfsorganisation, in diesem Fall der ASB, und dem Landkreis. Nach einer unnötig anstrengenden Anlaufphase normalisierte sich die Situation – Dank der Helferinnen und Helfer des ASB.

Welche Schlussfolgerungen zieht Gerhard Radeck daraus, der am 11. September für das Amt des Landrates kandidiert? „Als Landrat werde ich mich für ein funktionierendes Krisenmanagement einsetzen, welches die Lage vorausschauend bewertet, um nicht überrascht zu werden. Auch halte ich es für wichtig, dass im Rahmen der Stabsarbeit kontinuierlich die Zusammenarbeit geübt wird, um im Ernstfall schnell und effektiv handeln zu können!“ Das in diesem Fall der jetzige berufliche Hintergrund von Gerhard Radeck allen zu Gute kommen würde, liegt auf der Hand.

Gerhard Radeck begrüßt das Integrationspolitische Handlungskonzept des Kreises gemeinsam mit vielen Akteuren, wie zum Beispiel der Diakonie, dem DRK und verschiedenen weiteren Initiativen rund um die Flüchtlingshilfe. „Das finanzielle Engagement der Volkswagen AG als weltweit agierender Konzern und Teil dieses Aktionsbündnisses ist dabei sehr lobens- und dankenswert.“

„Menschen, egal ob deutscher oder ausländischer Herkunft, benötigen Beschäftigung. Damit ist nicht nur ein Arbeitsplatz gemeint. Menschen ohne Beschäftigung langweiligen sich und wissen nicht wohin mit ihren Kräften und Tatendrang. Dies führt in den Unterkünften zu Spannungen untereinander.“ Daher seien verstärkte Anstrengungen im Bereich der Integration nicht nur wünschenswert, sondern auch notwendig.

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